Curieuse (Seychellen)

Curieuse (Seychellen) - Heimat der Aldabra-Riesenschildkröte (Geochelone gigantea)

Je nach Saison kann man sich für ca. 30-40 Euro mit einem kleinen Boot von Praslin zur fünftgrößten Insel Curieuse bringen lassen.

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Curieuse (Seychellen)
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Curieuse ist drei Quadratkilometer groß liegt nur einen Kilometer von der Nordküste Praslins entfernt. Sie zählt wie alle Granitinseln zu den inneren Seychellen um die Hauptinsel Mahé. Vom Anse Volbert (Cote d’Or) gelangt man in etwa 15 Minuten mit dem Boot nach Curieuse.

Karettschildkröte vor Coco Island (Seychellen)

Die Insel ist für die seltenen Coco de Mer Palmen, die großen Takamaka Bäume, einer großen Meeresschildkröten Kolonie (Echte Karettschildkröte, Eretmochelys imbricata) und einige Vogelarten, wie z.B. den ebenfalls seltenen Seychelles Black Parrot Coracopsis nigra barklyi (ein Papagei) bekannt.

Doctors House für Lepra-Kranke - heute ein Museum

Von 1833 bis zum Jahr 1965 wurde Curieuse als Leprakolonie verwendet. Ende des 18. Jahrhunderts haben Seefahrer und Bewohner der Insel die ursprünglich auf der Insel beheimateten Seychellen-Riesenschildkröten ausgerottet. Seefahrer schätzten die Riesenschildkröten als lebende Fleischkonserve und luden sie vor längeren Fahrten zu Hunderten auf ihre Schiffe, um sie nach und nach zu verspeisen.

Ansiedlung von Aldabrachelys gigantea auf den Seychellen

Zwischen 1978 und 1982 wurden bei einem Naturschutzprojekt 300 Aldabra-Riesenschildkröten (Aldabrachelys gigantea / Geochelone gigantea) vom Aldabra-Atoll nach Curieuse umgesiedelt. Sie sind nur auf dem schwer erreichbaren Aldabra-Atoll (98% der Gesamtpopulation lebt auf der Hauptinsel Grand Terre), auf Curieuse und wenigen kleinen Inseln des indischen Ozeans freilebend anzutreffen.

Die meisten der großen Tiere sind sehr neugierig und kommen von sich aus auf den Menschen zu. Tiere, die sich bei Annäherung von einem abwenden, möchten jedoch in Ruhe gelassen werden. Das sollte man respektieren und sie nicht weiter stören.

Auf der Insel sind heute etwa 500 Aldabra-Riesenschildkröten beheimatet, die ein Höchstalter von bis zu 256 Jahren erreichen können. Curieuse ist seit 1979 Teil des Curieuse Marine Nationalpark, um die einheimische Tierwelt zu schützen.

Aldabra-Schildkröten haben einen verhältnismäßig kleinen Kopf, der kaum größer ist als der Durchmesser des Halses. Im Gegensatz zur Galapagos-Riesenschildkröte haben Aldabra-Riesenschildkröten größere Kopfschuppen und meist ein charakteristisches Nackenschild. Das Nackenschild ist kein sicheres Erkennungszeichen. Bei einem geringen Prozentsatz der Tiere fehlt das Nackenschild.

Die meisten Besucher der Insel gehen bei Baie Laraie an Land und treffen dort sofort auf die ersten Riesenschildkröten beim Ranger Hauptquartier am Turtle Pond.

Durch die Nasenlöcher trinken

Die Aldabra-Riesenschildkröte hat eine besondere Fähigkeit: Sie kann als einzige Riesenschildkröten-Art mit den Nasenlöchern trinken. Dieses besondere Verhalten ist eine Anpassung an das Leben auf dem Aldabra-Atoll. Da es hier keine Trinkwasserquellen gibt und jedes Regenwasser im Kalkstein sofort versickert, mussten die Schildkröten sich dem anpassen. Durch die vorne am Schädel sitzenden, relativ vertikalen Nasenlöcher kann die Schildkröte auch kleinste Wassermengen aus Spalten und Ritzen zügig aufnehmen.

Mangroven

Von Baie Laraie aus führt ein Weg durch Mangrovenwälder zum Strand Anse José, wo man ein kleines Museum - das ehemalige Haus des Arztes für Lepra-Kranke - besuchen kann. Am Anse José legen alljährlich zwischen Oktober und Februar mehrere Dutzend Karettschildkröten ihre Eier ab. Curieuse zählt mit zu den wichtigsten Eiablageplätzen der vom Aussterben bedrohten Meeresschildkröten.
Auf dem Weg durch die Mangrovenwälder sieht man immer wieder mittelgroße bis große Schildkröten. Die meisten Tiere findet man am Strand Baie Laraie.

Die Schildkröten “grasen” überwiegend. Faserreiche, niedrig wachsende Gräser, Kräuter und Seggen, der sogenannte “tortoise turf”, sind sowohl auf dem Aldabra-Atoll als auch auf Curieuse die Hauptnahrungsquelle der Aldabra-Schildkröten. Auch Blüten, Früchte und Laub werden gerne gefressen. Zu einem kleinen Teil (0,5%) wird auch Kot anderer Tiere sowie Aas nicht verschmäht.

Da die Riesenschildkröten Früchte wie Mango oder Papya lieben und hin und wieder von Touristen damit gefüttert werden, kommen sie oft sehr interessiert angelaufen. Wer also ein paar heruntergefallene Früchte auf Praslin einsammelt, kann damit den Tieren einen leckeren Gefallen tun. Bitte aber auf die Finger aufpassen. Wenn die Schildkröte diese versehentlich erwischt, kann das zu schmerzhaften Verletzungen führen.

Wir haben 2 Stunden auf Curieuse verbracht. Diese Zeit hat ausgereicht, um viele große und kleinere Exemplare der Aldabra-Riesenschildkröte zu sehen und ausgiebig zu beobachten und gut 400 Fotos zu schießen.

Informationstafel zu den Schildkröten

Auf Informationstafeln wird der Lebenszyklus der Riesenschildkröten dargestellt und wie man Männchen und Weibchen unterscheiden kann. Ab 50-60 cm Länge ist eine sichere Geschlechtsunterscheidung möglich. Aldabra-Männchen werden mit bis zu 122 cm Länge und bis über 250 kg Gewicht wesentlich größer als die Weibchen. Die Weibchen werden etwa bis 90 cm lang, bis zu 167 kg schwer und haben einen gewölbteren Panzer (Carapax) als die Männchen. Die durchschnittlichen Gewichte sind allerdings je nach Altersstruktur und Nahrungsangebot mit 20–50 kg deutlich geringer. Auf Curieuse haben die Tiere eine Panzerlänge von 70-96 cm und ein Gewicht von bis zu 120 kg. Männliche Tiere haben - wie man es auch von anderen Schildkrötenarten kennt - einen längeren Schwanz und einen konkaven Bauchpanzer. Der Carapax ist insgesamt flacher und hinten weiter.

Die Wachstumsringe auf dem Panzer entstehen in den nahrungsreichen Regenzeiten durch Wachstumsschübe des Panzerhornes. Bei älteren Tieren sind die Panzer durch die steinige Umgebung, durch das Aufeinandersteigen der Tiere im Schatten, bei der Nahrungsaufnahme und bei der Paarung sichtbar abgenutzt.

Schutz vor der Mittagshitze

In der Mittagshitze befinden sich die Schildkröten überwiegend im Schatten unter Büschen oder sitzen in kühlenden, schattigen Schlammlöchern und ruhen oder schlafen dort.

B.B.Q Area

Die B.B.Q Area macht zwar auf den ersten Blick den Eindruck eines Schildkrötengeheges, ist aber eher ein Menschengehege. Hier kann man in Ruhe essen, ohne von den Riesen gestört zu werden. Wir haben natürlich an einem Holztisch Strand eine Kleinigkeit unseres mitgebrachten Proviants gegessen - wo sonst hat man schon die Chance, dass freilebende Riesenschildkröten einem beim Essen Gesellschaft leisten?

Aufzuchtgehege für Jungtiere

Es gibt auch ein Aufzuchtgehege mit Jungtieren der Aldabra-Riesenschildkröte im Alter von einigen Wochen bis zu wenigen Jahren. Dass die kleinsten in den ersten Jahren geschützt aufwachsen müssen, ist in erster Linie ein menschliches Problem. So wird verhindert, dass Inselbesucher die Nachzuchten einfach mitnehmen. Die Nistplätze befinden sich optimalerweise an der Grenze zwischen Sonne und Schatten mit einer täglichen Sonneneinstrahlung von etwa 5 Stunden. Dabei schwankt die Nesttemperatur zwischen 27 und 30 °C. Das Nest ist ca. 25 cm tief. Nach einer temperaturabhängigen Inkubationszeit von 85 bis 150 Tagen schlüpfen die Jungtiere und graben sich an die Oberfläche.
In 2 Gehegen kann man einige Wochen alte Jungtiere der Aldabrachelys gigantea Nachzuchten bis zu wenige Jahre alte Nachzuchten beobachten. Auffallend die sehr dunkle Färbung der jungen Schildkröten.

Paarung der Aldabra-Riesenschildkröte

Spannend ist, die Riesen bei der Paarung zu beobachten. Aldabra-Riesenschildkröten auf Curieuse paaren sich vorwiegend in der “Regenzeit” zwischen Oktober und April. Eine richtige Regenzeit gibt es nicht aber besonders in den Monaten Dezember bis März können vermehrt Zyklone auftreten, die starken Wind und hohen Niederschlag mit sich bringen. Die Laute von Männchen bei der Begattung hört man oft noch in 1 Kilometer Entfernung. Geschlechtsreif werden die Tiere je nach Population mit 20 bis 30 Jahren.

Man geht davon aus, dass diese Schildkröten sich auf den Seychellen entwickelt haben. Die Annahme, dass die Tiere ursprünglich aus Madagaskar stammen, konnte nicht belegt werden. Sowohl madagassische als auch Aldabra-Riesenschildkröten haben sich vermutlich aus Seychellen-Riesenschildkröten entwickelt (GERLACH 1996).
Mit einer Population von über 100.000 Tieren ist diese Schildkrötenart nicht akut vom Aussterben bedroht.

Die schweren Riesenschildkröten richten sich gerne so hoch wie möglich auf, wenn man sie am Hals krault. Dieses Verhalten kennt man von Galapagos-Riesenschildkröten, die, wenn ein Vogel in ihre Nähe kommt, diesen so dazu einlädt, Parasiten von der Haut zu picken. Allerdings besitzen Aldabra-Riesenschildkröten im Gegensatz zu den Galapagos-Riesen weder Parasiten, noch werden sie von den Vögeln in irgendeiner Form beachtet. Ganz offensichtlich gefällt es den Tieren aber wenn sie an der Haut berührt werden.