Das Thema Einzelhaltung / Gruppenhaltung gehört zu den am meisten diskutierten Themen unter Schildkrötenhaltern.

Adulte Landschildkröten sind von Natur aus keine sozialen Tiere, sondern überwiegend Einzelgänger, die den größten Teil ihres Lebens alleine verbringen. Sie bewohnen große Gebiete und in ihrem natürlichen Lebensraum ist kein Weibchen dazu verdonnert, immer wieder von einem Männchen bedrängt zu werden, ohne dass sie die Möglichkeit hat zu flüchten. Allerdings laufen sich die Tiere natürlich doch immer wieder mal über den Weg, vor allem zur Paarungszeit.
Aber: Schildkröten sind "Kontakttiere", d.h. sie vermeiden die körperliche Berührung mit Artgenossen nicht. Keineswegs sind sie aber Herdentiere und in ihrem Lebensraum fast immer alleine anzutreffen.

Zu kleine Gehege haben gestresste, unterdrückte Tiere zur Folge. Es sollte auch die Möglichkeit gegeben sein die Tiere zu trennen, wenn dies nötig ist. Bei jedem Neuzugang muss eine Quarantänezeit (bzgl. Herpes oder Parasiten) eingehalten werden.
Wer diese Kriterien nicht erfüllen kann, sollte sich keinesfalls mehrere Schildkröten anschaffen oder zum Wohle der Tiere ganz auf eine Haltung verzichten. Denn auch einzeln gehaltene Schildkröten fristen kein optimales, artgerechtes Dasein. Es ist auch so, dass einzeln gehaltene Männchen verhaltensgestört werden, wenn sie ihren Paarungstrieb nicht ausleben können.
Auch Landschildkröten-Männchen sind keine reinen Einzelgänger!
Entgegen der weit verbreiteten Meinung sind erwachsene europäische Landschildkröten keine isolierten Einzelgänger. Schon als Jungtiere leben sie eng zusammen, prägen sich gegenseitig in Geruch und Aussehen ein und lernen so die Kommunikation innerhalb ihrer Art. Wer isoliert oder mit anderen Arten aufwächst, erkennt später Artgenossen nicht mehr richtig – in menschlicher Obhut zeigt sich das als aggressives Verhalten oder das Verfolgen von Gegenständen.
In der Natur verbringen Jungtiere etwa sechs Jahre in ihrem Legegebiet, bevor sie als semiadulte Tiere größere Streifgebiete erkunden. Diese Phase ist entscheidend: Wer hier in einen Verband integriert wird, findet seinen Platz in der Rangordnung und lernt soziale Regeln. Fehlt diese frühe Integration, führen männliche Schildkröten zu massiver Unverträglichkeit, da sie Artgenossen als permanente Rivalen wahrnehmen.
Ein stabiles soziales Netzwerk bei erwachsenen Tieren basiert nicht auf aggressiver Revierverteidigung, sondern auf akzeptierter Hierarchie. Dominanzkämpfe sind ritualisiert und die Rangordnung wird respektiert. Fehlende soziale Erfahrung führt in Gehegen jedoch oft zu Stress, Beißereien und lebensbedrohlichen Konflikten.
Um die natürliche Struktur in menschlicher Obhut zu unterstützen, ist die Gestaltung des Geheges entscheidend:
Wenn trotz optimaler Gestaltung dauerhafter Stress auftritt, müssen Tiere sofort getrennt werden. Gesundheit geht immer vor gemeinsamer Haltung. Nur Tiere, die zusammen aufwachsen oder als semiadulte in einen Verband integriert werden, können friedlich koexistieren.
Eine gute Lösung die von einigen erfolgreichen Schildkrötenzüchtern praktiziert wird, ist die Schildkröten zeitweise zusammen, sie aber den Rest der Zeit getrennt leben zu lassen. Eine andere Möglichkeit ist, nur wenige Schildkröten (3-4) in einem gut strukturierten Gehege von mindestens 50 Quadratmetern zu halten.