Galapagos-Inseln

Seit fast einem Jahr stehen die Galapagos-Inseln auf der Roten Liste der UNESCO

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Schnorcheln mit Meeresschildkröten, Pinguinen, Seelöwen. An Land Riesenschildkröten, Meerechsen, Leguane, Tölpel mit putzigen roten, blauen und weißen Füßen, Albatrosse. Furcht vor dem Menschen haben sie alle nicht. Der Galapagos-Archipel ist dank seiner Artenvielfalt und Zahmheit der Tiere ein einmaliger Naturraum – aber eben auch ein Geschäft mit Tourismus und Fischfang. Es ist dieses Geschäft, das dieses letzte Paradies, den Traum eines jeden Naturliebhabers, bedroht. Galapagos steht am Scheideweg.
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Vor 20 Jahren kamen noch 40 000 Besucher jährlich, heute sind es mehr als 120 000. Die Konsequenz : Mehr Lebensmittel und mehr Diesel für die Schiffe müssen vom Festland auf die Inseln gebracht werden, mehr kleine ( 16 Personen ) und größere Kreuzfahrtschiffe ( maximal 90 Gäste ) sind in den Gewässern unterwegs und die wenigen infrastrukturell unterentwickelten Siedlungen expandieren, weil Ecuadorianer, die der Arbeitslosigkeit auf dem Festland entfliehen wollten, sich Jobs im aufstrebenden Tourismus erhofften. Auf 20 000 bis sogar 25 000 Menschen soll die Bewohnerzahl zwischenzeitlich angestiegen sein. Mittlerweile hat die Regierung in Quito reagiert und 5000 sogenannte ” Illegale ” aufs Festland ” abgeschoben ” – auch ungeachtet dessen, ob sie längst heimisch geworden waren.

” Wenn das so weitergeht, wird Galapagos in fünf bis zehn Jahren kaputt sein “, so die düstere Prophezeiung von Graham Watkins, Direktor der Charles-Darwin-Forschungsstation ( Februar-Heft des Magazins ” Merian “).

Die UNESCO zog die Reißleine und setzte die ostpazifischen Inseln – 96 Prozent sind Schutzgebiet – im Juni 2007 auf die Rote Liste : Galapagos ist als Weltnaturerbe gefährdet.

Die Organisation stellte besorgt fest, dass Passagiere von Kreuzfahrtschiffen heute mehr als doppelt so viel Zeit wie noch vor 15 Jahren auf den Inseln verbringen. Natürlich bedingen Touristen Zuzug – und beides bedingt neue Spezies in diesem sensiblen Naturraum. Ratten, Hunde, Katzen, Ziegen wurden schon vor vielen Jahren zur Plage. Die Ziegen fraßen die Inseln leer und entpuppten sich als größter Futterkonkurrent der Landschildkröten, Katzen wilderten in Meeresschildkrötengelegen.

Und auch im Meer herrscht nicht nur Friede, weil Fischer, die vom Tourismus-Geschäft kaum partizipieren können, vom illegalen Fang ihren Lebensunterhalt bestreiten müssen. Sie finden reiche Fischgründe vor der Haustür. Obwohl Seegurkenfang verboten ist, werden sie tonnenweise gefischt und nach Asien exportiert. Wie auch Haifischflossen, die in den Suppenschüsseln exklusiver Restaurants landen.

Diese Ausbeutung der Tierbestände ist nicht neu. 250 000 Riesenschildkröten gab es einst auf Galapagos. Bis die Walfänger landeten und die wehrlosen Geschöpfe zu Abertausenden in den Schiffsbäuchen stapelten – als Lebendfleisch und Ölreserve. Heute gibt es wieder 15 000 Landschildkröten auf den Inseln – auch dank der Aufzuchtprogramme der Darwin-Forschungsstation, die auszubügeln versucht, was der Mensch in den vergangenen 200 Jahren eingebrockt hat. Vier der insgesamt 13 Arten wurden ausgerottet.

Da hört es sich schon beinahe vermessen an, zu behaupten, der Mensch tue Galapagos auch Gutes. Er hilft als geldbringender Tourist dem Paradies zu überleben. Mit seiner Nationalparkgebühr ( 100 Dollar ) werden Aufzuchtprogramme der Darwinstation ebenso bezahlt wie dringend notwendige Ausrottungsaktionen. Ganze Inseln sind heute beispielsweise wieder ziegenfrei, allein auf Isabela und Santiago sollen 40 000 bis 60 000 Ziegen abgeschossen worden sein – vom Hubschrauber aus. Eine logistische Meisterleistung – und kostspielig obendrein.

Ein anderer wichtiger ” Hilfsdienst ” : ” Wo Touristen sind, wird nicht illegal gefischt “, weiß die seit 20 Jahren als Nationalparkführerin tätige, engagierte Maja Homberger. ” Auf einem Touristenschiff sind immer die Augen der Nationalparkführer. ”

Doch Touristen wollen Galapagos nur erleben, wenn dieses Paradies auch ein Paradies bleibt. Und da Ecuador das Geld der Europäer und vielen Amerikaner nicht missen kann, sah sich auch Präsident Rafael Correa im vergangenen Jahr zum Handeln gezwungen und erklärte die Inseln zum Risikogebiet. Immigrationskarten für Einheimische und Touristen wurden eingeführt – heute will der Staat genau wissen, wer wann seine Füße auf die Inseln setzt. ” Früher konnte kommen, wer wollte “, sagt Maja Homberger. Sie gibt zu, dass sie von der UNESCO-Entscheidung erschüttert war. Heute, mit Abstand, meint sie : ” Ja, es war richtig. ” Weil Vorschriften wieder ernst genommen werden, zu recht penibel beispielsweise auf das Ankern, Schnorcheln und An-Land-Gehen auf der vom Nationalpark vorgegebenen Route geachtet wird. Dem Kapitän, der zweimal abseits der genehmigten Strecke erwischt wird, drohen Geldstrafe und Lizenzentzug.

” Galapagos schafft es, von der Roten Liste der UNESCO zu verschwinden “, ist sich Maja Homberger sicher. Weil die Politik reagiert hat, weil die Weltöffentlichkeit aufmerksam wurde, weil Gelder fließen und auch die Insulaner lernen, sensibler mit diesem Ökosystem umzugehen.

Galapagos kann bereits Erfolge vorweisen. Auch wenn die neue Nationalparkchefin, die sich so stark für den Naturschutz engagierte, schon wieder abgesetzt wurde – und natürlich Gedanken aufkommen an Mauscheleien und Korruption ums gute Geschäft mit dem Tourismus.

Dabei ist die Rechnung einfach : Je mehr Geschäft regiert, desto kleiner wird das Paradies. Und irgendwann könnte Galapagos kein Naturparadies mehr sein. Dann würden die Touristen nicht mehr landen – und ein Geschäft mit ihnen wäre auch nicht mehr zu machen.

Tipp: Hier können Sie eine Reise zu den Galapagos Inseln buchen

1 Kommentar »

  1. Bea Rohr schrieb,

    Juni 4, 2010 @ 23:12

    Bin interessiert an einer Galapagos Reise, Oktober oder November 2010
    Vielen Dank für Information
    B.Rohr

    —Antwort—
    Hallo Frau Rohr,

    gerne sende ich Ihnen ein Angebot für Galapagos zu. Ich bräuchte dafür jedoch noch ein paar Angaben von Ihnen.

    - Frühester Hinflug + spätester Rückflug?
    - Reisedauer?
    - Abflughafen?
    - Wie viele Reisende?

    Freundliche Grüße
    Florian Böttger

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