Schildkrötenexkursion Sardinien

Sardinien, traumhafte Landschaften
Schildkrötenhabitat an der Westküste Sardiniens

Hier zeige ich euch nun Eindrücke meines Sardinien-Urlaubs in einer Ferienwohnung vom 15.09.-29.09.2009.

Ich muss vorweg sagen: Die Schildkröten laufen einem auf Sardinien nicht an jeder Straßenecke über den Weg. Bekannte von mir sind jedes Jahr 1-2 mal auf Sardinien und haben dort noch nie eine Schildkröte gesehen. Bevor man sich also auf die Suche begibt, sollte man sich auf jeden Fall Gedanken machen, welcher Art man bei seiner Suche begegnen will und wie der perfekte Lebensraum aussehen könnte. Diesen gilt es dann zu suchen, was sich nicht immer als leichte Aufgabe herausstellt. Viele ewig lange Natursteinmauern und Zäune versperren einem immer wieder den Zugang.

Geduld, Ausdauer, gute Ohren und gute Augen sind unbedingt notwendig für eine erfolgreiche Schildkrötensuche. Funde wie diese entschädigen aber jeden Aufwand…
Testudo hermanni hermanni
Griechische Landschildkröte, Testudo hermanni hermanni

Dieses Buch hat mich auf meiner Reise begleitet:




Sardinien, die Insel der europäischen Schildkröten

Wolfgang Wegehaupt.
Preis: EUR 29,90

192 Seiten, Wegehaupt Verlag, 08/2006

Das Buch zeigt die Lebensräume aller auf Sardinien vorkommenden Schildkrötenarten. Im September 2009 habe ich mich -natürlich mit diesem Buch in der Hand- auf nach Sardinien gemacht um möglichst viele Habitate der dort heimischen Schildkröten aufzusuchen und die Tiere zu fotografieren. Das Buch war mir dabei eine gute Hilfe, auch wenn man dort verständlicherweise keine genauen Standortangaben findet. Auch ich werde bei meinen Berichten darauf verzichten.

Jungtier Griechische Landschildkröte
Gut getarntes Jungtier

Hat man das Gefühl, dass man in einem Schildkrötenhabitat sein könnte, ist Vorsicht geboten. Dieses 34mm kleine Jungtier ist so gut getarnt, dass es nur schwer zu erkennen ist. Als dieses plötzlich vor meinen Füßen saß, überlegte ich mir jeden weiteren Schritt zwei mal.

Jungtier Griechische Landschildkröte
Schlüpfling, kurze Zeit nach einem längerem Regenschauer

Erstaunlich viele junge Schildkröten fand ich nachdem es fast die ganze Nacht geregnet hatte und auch adulte Tiere sonnten sich in den ersten Sonnenstrahlen dieses Tages am Rande flacher Büsche, der sogenannten Garigue.

Griechische Landschildkröte, ausgewachsenes Männchen
Ausgewachsenes Testudo hermanni hermanni Männchen

Griechische Landschildkröte
Gerne verstecken sie sich in diesen kargen, trockenen Büschen

Adulte Griechische Landschildkröten fand ich immer am Rande flacher Garigue oder hörte sie in undurchdringlichen Büschen.

Panzer, verstorbener Schlüpfling
Ausgetrockneter Schlüpfling mit zerbrochenem Panzer

Dieser schon ausgetrocknete Schlüpfling hat einen mehrfach gebrochenen Panzer. Entweder ein Wanderer oder ein Schaf wird auf den noch weichen Panzer dieses Jungtieres getreten sein und es damit getötet haben. Der hintere Panzerbereich war oben und unten eingedrückt.

Jetzt wechseln wir mal schnell von der flachen Westküste in die bergige Ostküste der Insel. Kein Geheimnis muss sein, dass ich nahe der Stadt Olbia untergebracht war. In der hier überwiegend gewachsenen Macchia, der immergrünen Vegetation aus Sträuchern, Bäumen und Büschen lebt die Breitrandschildkröte.

Breitrandschildkröte, Testudo marginata
Alte, sehr dunkel gefärbte Breitrandschildkröte, Testudo marginata

Ich fand die meisten Tiere in felsigen Gebieten unter großen und leider oft undurchdringlichen Büschen. Verkratzte Arme und Beine waren bei meiner Suche an der Tagesordnung.

Alte Breitrandschildkröte
Weitere sehr alte Breitrandschildkröte im Nordosten der Insel

Feigenkaktus
Feigenkaktus & dessen Kaktusfeigen als Futterquelle für die Breitrandschildkröte

Kaktusfeige
Schildkrötenkot neben dem Rest einer heruntergefallenen Kaktusfeige

Die teilweise ausgehöhlten Kaktusfeigen mit dem Schildkrötenkot daneben zeigen, dass diese reifen Früchte für Breitrandschildkröten wohl ein besonderer Leckerbissen sind. Wenn man die Dornen im Griff hat, sind sie auch für Menschen essbar.

Waldbrände
Ausgebrannte Landschaften nach Waldbränden im Norden Sardiniens (der Gallura)

Schildkröten auf Sardinien sind wie überall im Mittelmeerraum stark gefährdet - auch durch Brände.
Auf Sardinien herrscht jeden Sommer Waldbrandgefahr. Leider sind es sehr häufig Brandstifter die Winde und die Trockenheit ausnutzen um so Weideland für Schafe und Ackerland zu gewinnen. Ganze Landstriche werden dabei niedergebrannt. Ich war plötzlich in einem Gebiet, wo ringsherum nur noch abgebrannte Berge und Täler zu sehen waren.
Mit jedem großem Feuer kommen auch viele hundert oder sogar tausende Schildkröten ums Leben. Ganze Schildkrötenpopulationen werden dabei ausgelöscht.

Ehemals verbrannter Berg auf Sardinien
Schildkröte auf ehemals verbranntem Berg im Nordosten

Diese Breitrandschildkröte lebt auf einem Berg in der Gallura auf Sardinien. Wie man im Hintergrund sieht, sind zwar grüne Büsche vorhanden, es standen und lagen aber überall verbrannte Äste und ganze Bäume. Nach einiger Zeit haben sich hier dennoch wieder einige alte Breitrandschildkröten angesiedelt. Das Feuer muss jedoch schon einige Jahre zurückliegen.

Machen wir mal einen kurzen Ausflug zu den Wasserplanschern:
Europäische Sumpfschildkröte
Die Europäische Sumpfschildkröte (Emys orbicularis) beim Sonnenbad

Europäische Sumpfschildkröte
Ich wollte nur ein Stückchen näher ran und schon…war sie weg

Eigentlich auf der Suche nach Breitrandschildkröten, entdeckte ich dieses abgelegene, klare Gewässer. Ein Platschen und ich wusste - hier sind Wasserschildkröten zu finden.
Die auf ganz Sardinien verbreiteteten Exemplare habe ich als sehr scheu erlebt und bekam kaum Möglichkeiten sie zu fotografieren. Sobald sie mich entdeckten sprangen sie ins Wasser, auch wenn ich noch 10 Meter von ihnen entfernt war.

Korkeiche
Korkeichen-Wälder findet man auf der ganzen Insel

Terrarianer kennen sie - die beliebten Körkröhren als Unterschlupf oder Klettermöglichkeiten für die Terrarienbewohner. Hier eine abgeschälte Korkeiche. Alle 8-12 Jahre wächst der Kork nach und kann wieder geerntet werden. Die Korkeiche ist im Laufe der Jahrhunderte parkitisch feuerfest geworden und kann Waldbrände ohne großen Schaden überstehen.

Weitere Sardinienbilder findest du in der Fotogallerie über Schildkröten auf Sardinien.

nikon-d40 Da ich jetzt schon mehrfach gefragt wurde… alle Sardinien-Bilder wurden mit einer Nikon D40 (einer digitalen Spiegelreflexkamera) gemacht.

Mehr Bilder in der Fotogalerie unter Breitrandschildkröte auf Sardinien und Griechische Landschildkröte auf Sardinien