Herpes - tödliche Virusinfektion bei (Land)schildkröten
17.07.
Erklärung
Herpes ist eine Virusinfektion bei Landschildkröten aber auch Wasserschildkröten und gilt als die tödliche Schildkrötenseuche. Seit Ende der 80er Jahre häufen sich die Infektionen in den Beständen der Schildkrötenhalter. Der Herpesvirus ist nicht behandelbar und das betroffene Tier bleibt sein Leben lang ein potenzieller Überträger auf andere Schildkröten. Stirbt ein Tier aus einem Bestand an Schildkröten-Herpes, muss leider davon ausgegangen werden dass zu 95% der ganze Bestand ebenfalls infiziert ist.
Vorbeugung
Neuzugänge, Fundtiere und Pflegetiere müssen mind. 1 Jahr in Quarantäne verbringen und währenddessen sollte alle 4-6 Wochen eine Blutuntersuchung auf Antikörper gegen Herpesviren durchgeführt werden. Die Untersuchung muss so oft durchgeführt werden, da ein negativer Befund nicht gleich Herpesfreiheit bedeutet, sondern unter Umständen nur dass noch keine Antikörper gegen den Virus gebildet wurden. Zwischen dem Umgang mit getrennt lebenden Tieren immer sehr gründlich Hände waschen.
Das Krankheitsbild
Die Empfänglichkeit der einzelnen Schildkrötenarten für Herpesviren ist verschieden. Die Maurische Landschildkröte zum Beispiel gilt allgemein als eher resistent bzw. überlebt eine Infektion häufig, während Griechische Landschildkröten zumindest in früheren Jahren in der Regel verstarben. Das Gefährliche ist, dass bereits am Virus erkrankte “stressfreie” Tiere oft lange Zeit keine Anzeichen einer Krankheit zeigen.
Eine Stressituation oder eine andere Krankheit kann dazu führen, dass der Erreger ausbricht. Anzeichen der Erkrankung sind z.B. ein gelblicher Belag auf der Zunge, Appetitlosigkeit, Apathie, Atemnot, Schluckbeschwerden, Schleimausscheidungen aus Nase und Rachen, Schlucklähmungen (Futter bleibt im Maul/Hals stecken), Bewusstlosigkeit und unnatürliche Bewegungen.
Betroffene Tiere können aber auch ohne diese Anzeichen plötzlich sterben. Daher sollten solche plötzlichen Todesfälle in Zeitungspapier eingewickelt und umgehend an eines der folgenden Institute zur Untersuchung eingesandt werden:
Exomed Institut für
veterinärmedizinische Betreuung
niederer Wirbeltiere und Exoten
Dres. Mutschmann & Dr. Seybold GbR
Erich Kurz Straße 7
10319 Berlin
Staatliches
Veterinäruntersuchungsamt
Westerfeldstr 1 32758 Detmold
Institut für Zoologie, Fischereibiologie
und Fischkrankheiten Dr. M. Baur
/ Dr. P. Kölle
Kaulbachstr. 37
80539 München
Betroffene Arten
Bisher als Herpesträger bekannt geworden sind:
Testudo hermanni, Testudo graeca, Testudo marginata, Testudo horsfieldii, Geochelone pardalis, Geochelone denticulata, Geochelone chilensis, Geochelone carbonaria, Geochelone elongata, Malacochersus tornieri, Chelonoidis chilensis, Testudo kleinmanni, Caretta caretta, Chelonia mydas, Clemmys marmorata, Graptemys barbouri, Graptemys pseudogeographica und Emys obicularis.
Besonders die nordafrikanischen Unterarten von Testudo graeca gelten als eine der Hauptüberträger für die (bei ihnen kaum zu bemerkende) Krankheit. Nach neuesten Erkenntnissen muss sogar davon ausgegangen werden, dass die 6 verschiedenen Herpesviren auf fast alle Arten von Schildkröten übertragen werden können!
Ansteckungsgefahr
Eine betroffene Schildkröte scheidet die Viren in Speichel, Nasensekret, Kot und Sperma aus, die Ansteckung mit Herpes erfolgt über die Maulhöhle.
Behandlung betroffener Tiere
Kranke Tiere müssen sofort vom Bestand separiert werden.
Eine Behandlung, die die Schildkröte von dem Virus befreit, gibt es nicht aber das Tier kann im Kampf gegen den Ausbruch der Krankheit unterstützt werden. Dazu gehören natürlich optimale Haltungsbedingungen, evtl. Antibiotika/Antimykotika gegen Sekundärinfektionen, Bekämpfung eines Parasitenbefalls.
Adressen von Tierärzten findest Du hier: Schildkrötentierarzt
Mensch <=> Tier
Der Herpesvirus bei Schildkröten hat mit dem menschlichen Herpes nichts zu tun und ist daher auch nicht von Mensch auf Tier oder umgekehrt übertragbar!


Renate schrieb,
April 11, 2010 @ 09:47
Hallo,
eine unserer beiden griechischen Landschildkröten erkrankte vor drei Jahren kurz nach der Winterruhe an einer Herpes-Infektion. Nach einer Spritze bei unserer Tierärztin, die uns allerdings nicht viel Hoffnung machte, erholte sie sich dann aber sehr schnell. Die andere Schildkröte hat sich glücklicherweise nicht - oder jedenfalls nicht sichtbar - angesteckt. Meine Frage: Kann es sein, dass die Krankheit bei einer oder gar beiden dennoch wieder auftritt?
Vielen Dank im voraus und freundliche Grüße
Renate
—Antwort—
Hallo Renate,
glücklicherweise habe ich keine Erfahrung mit dieser Krankheit bei meinen Tieren, weshalb mir genauere Informationen dazu fehlen.
Ich nehme an, die Tierärztin ist auf der Liste http://www.schildkroeten.biz/ zu finden?
Eventuell finden sich auch im Schildkrötenforum Leute, die dazu mehr sagen können.
Gruß
Florian
Daniela schrieb,
Juni 3, 2010 @ 14:12
Wir haben vor drei Wochen fünf Testudo boettgerie geschenkt bekommen, nach vier Tagen wieß eine Grippe Symntome auf. Wir sind dann gleich zur TÄ gegangen (Pfingstsonntag) hat Antibiotika Spritze bekommen. Zwei Tage später lief die Schildkröte im Kreis ( Blutabnahme) Leber/Niere/ Herpes Negative . Haben sie unter Narkose legen lassen und geschaut ob etwas im Maul ist. Feststellung Schlucklähmung.Zungenabgatsch gemacht (Ergebniss noch nicht da) Nun drei Tage später geht es ihr immer schlechter (zäher schleim aus Mund und Nase.) Wird vermutlich Morgen nicht Überleben. Eine andere ist schon ohne Auffälligkeiten verstorben (zur Patologie eingeschickt) auch noch kein Ergebniss. Ich hoffe das die anderen alle Überleben. Hatt irgend jemand positive Erfahrungen gemacht.
Lg Daniela
—Antwort—
Hallo Daniela,
hört sich für mich trotz negativem Befund alles nach Herpes an. Schlucklähmung, Schleim aus Mund und Nase passt leider genau ins Krankheitsbild…!
Sie werden das Virus alle schon in sich getragen haben und der Stress durch den Umzug hat die Krankheit ausgelöst. Wer hat dir die Tiere geschenkt? Hat die Person weitere Schildkröten und weiß eventuell nicht, dass der ganze Bestand betroffen ist?
Tut mir sehr leid, dass ich dir kaum Hoffnung machen kann aber nur mit ganz viel Glück werden eventuell welche überleben - wenn sie auch immer Virusträger bleiben werden.
Ich denke du weißt das selber aber bitte extrem darauf aufpassen, dass keine anderen Schildkröten mehr mit diesen Tieren in Kontakt kommen und am besten kein anderer Schildkrötenhalter mehr das Gehege betritt.
Hier noch 2 gute Links:
1) http://www.dghtserver.de/foren/showthread.php?t=51113
2) http://www.t-hermanni.de/Herpes/herpes1.html
Melde dich bitte nochmal, wenn es Ergebnisse gibt!
Alles Gute,
Florian
Bianca schrieb,
September 6, 2011 @ 10:01
Hallo,
meine Schildi(Landschildkröte) frisst seid Tagen kaum noch,bewegt sich nicht schläft nur und wenn ich sie in den Garten setzte bzw. bade reagiert sie kurz,dann macht sie die Augen wieder zu und bleibt da sitzen wo man sie abgesetz hat…ich habe noch keinen Tierarzt ,aber mir scheint ,ich muß mir dort Rat holen …oder kann mir hier jemand helfen?
Schleim oder wowas hat sie nicht,und heute morgen hab ich Futter aus dem Mund gezogen,aber das hatte sie öfter mal….
vielleicht kann mir jemand helfen…
hab mir grad einen Termin in der Tierklinik geholt… :-(
—Antwort—
Hallo,
hier kann dir definitiv keiner helfen!
So schnell wie möglich zum schildkrötenerfahrenen (!!) Tierarzt und keine Zeit mehr verlieren wenn du die Schildkröte noch irgendwie retten willst. Hier die Liste: http://www.schildkroeten.biz
Gruß
Florian