Galapagos-Riesenschildkröte Lonesome George hofft auf Nachwuchs

21.07.2008

«Lonesome George» wird vielleicht endlich Vater. Die letzte männliche Riesenschildkröte dieser Unterart auf den Galapagos-Inseln hatte fast vier Jahrzehnte abstinent gelebt - aber nach 36 Jahren Enthaltsamkeit wurden nun neun Eier entdeckt.
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Der «einsame George», die letzte männliche Riesenschildkröte ihrer Art auf den Galapagos-Inseln, könnte endlich Nachwuchs bekommen. 36 Jahre hatten sich Forscher vergeblich bemüht, das Reptil zur Fortpflanzung zu bewegen, teilte der Galapagos-Nationalpark am Montag mit. Nun hat ein artverwandtes Weibchen, das «George» seit 1993 begleitet, drei intakte Eier gelegt.

Sie werden derzeit in einem Brutkasten ausgebrütet. Ob sie tatsächlich lebensfähige Nachkommen in sich tragen, wird man den Angaben zufolge allerdings erst in 120 bis 130 Tagen feststellen können. Damit könnte die Unterart der Riesenschildkröten «Geochelone nigra abingdonii», deren letzter bekannter Vertreter der «Einsame George» ist, womöglich doch überleben.

Hoffnung fast schon aufgegeben

Dabei hatten die Verantwortlichen die Hoffnung fast schon aufgegeben. Nach eigenen Angaben hatten sie bereits alle Möglichkeiten ausgeschöpft und gedacht, die Schildkröte könne sich gar nicht fortpflanzen. «In all diesen Jahren hat der ‘Einsame George’ keinerlei Anzeichen für ein Fortpflanzungsverhalten gezeigt und sich vielmehr sogar aggressiv gegenüber seinen Begleiterinnen verhalten», erklärte der Nationalpark.

Doch dann kam die Wende: «In den letzten Monaten stellten die Fortpflanzungsexperten des Nationalparks ein verändertes Verhalten fest.» Seit zwei Wochen beobachteten sie dann, dass eine seiner langjährigen Begleiterinnen sich für die Eiablage bereitmachte. Am Montagmorgen fanden sie neun Eier. «Vier davon waren völlig zerstört, zwei hatten Risse an den Schalen, und drei waren vollständig intakt», berichtete der Nationalpark.

Unterschiedliche Bruttemperaturen für Weibchen und Männchen

Zwei dieser gesunden Eier werden nun in einem Brutkasten bei 29,5 Grad Celsius ausbrütet, um Weibchen zu erhalten, und eines bei 28 Grad, um ein Männchen zu erhalten. Falls die Aufzucht erfolgreich verläuft, könnte dann über verschiedene Linien versucht werden, reinrassige Nachfahren des «Einsamen George» zu züchten. Die männliche Riesenschildkröte, die 1972 auf der Insel Pinta entdeckt wurde, ist die letzte bekannte der Art «Geochelone nigra abingdonii».

Ein Weibchen dieser Unterart konnte trotz intensiver Suche nicht mehr gefunden werden. Die drei weiblichen Riesenschildkröten, die den «Einsamen George» begleiten, gehören der nahe verwandten Unterart «Geochelone nigra becki» an. Er selbst ist etwa 70 Jahre alt und damit für seine Art im «mittleren Lebensalter».

Wollen Sie Lonesome George besuchen? Hier finden Sie eine tolle Rundreise, die neben anderen Riesenschildkröten auch die letzte Schildkröte seiner Art besucht: Erlebnisreise zu Lonesome George

Schildkröten Krankheiten

17.07.2008

Auch wenn es immer mal sein, dass sich eine unserer Tiere eine Krankheit oder Verletzung zuzieht, sind Krankheiten bei Landschildkröten bzw. Schildkröten sehr oft ein Resultat von gravierenden Haltungsfehlern.
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Gehen Sie bitte bei Erkrankungen oder Verhaltensauffälligkeiten Ihrer Schildkröte wie z.B. Apathie, Futterverweigerung umgehend zu einem erfahrenen Tierarzt. Schildkröten kommen in der Ausbildung “normaler” Tierärzte leider nicht vor. Daher sind Tierärzte, die sich nicht speziell weitergebildet haben, mit der Behandlung von Schildkröten meist überfordert.

Einen geeigneten Tierarzt in ihrer Nähe finden Sie >hier<

Herpes - tödliche Virusinfektion bei (Land)schildkröten

Erklärung
Herpes ist eine Virusinfektion bei Landschildkröten aber auch Wasserschildkröten und gilt als die tödliche Schildkrötenseuche. Seit Ende der 80er Jahre häufen sich die Infektionen in den Beständen der Schildkrötenhalter. Der Herpesvirus ist nicht behandelbar und das betroffene Tier bleibt sein Leben lang ein potenzieller Überträger auf andere Schildkröten. Stirbt ein Tier aus einem Bestand an Schildkröten-Herpes, muss leider davon ausgegangen werden dass zu 95% der ganze Bestand ebenfalls infiziert ist.

Vorbeugung
Neuzugänge, Fundtiere und Pflegetiere müssen mind. 1 Jahr in Quarantäne verbringen und währenddessen sollte alle 4-6 Wochen eine Blutuntersuchung auf Antikörper gegen Herpesviren durchgeführt werden. Die Untersuchung muss so oft durchgeführt werden, da ein negativer Befund nicht gleich Herpesfreiheit bedeutet, sondern unter Umständen nur dass noch keine Antikörper gegen den Virus gebildet wurden. Zwischen dem Umgang mit getrennt lebenden Tieren immer sehr gründlich Hände waschen.

Das Krankheitsbild
Die Empfänglichkeit der einzelnen Schildkrötenarten für Herpesviren ist verschieden. Die Maurische Landschildkröte zum Beispiel gilt allgemein als eher resistent bzw. überlebt eine Infektion häufig, während Griechische Landschildkröten zumindest in früheren Jahren in der Regel verstarben. Das Gefährliche ist, dass bereits am Virus erkrankte “stressfreie” Tiere oft lange Zeit keine Anzeichen einer Krankheit zeigen.

Eine Stressituation oder eine andere Krankheit kann dazu führen, dass der Erreger ausbricht. Anzeichen der Erkrankung sind z.B. ein gelblicher Belag auf der Zunge, Appetitlosigkeit, Apathie, Atemnot, Schluckbeschwerden, Schleimausscheidungen aus Nase und Rachen, Schlucklähmungen (Futter bleibt im Maul/Hals stecken), Bewusstlosigkeit und unnatürliche Bewegungen.
Betroffene Tiere können aber auch ohne diese Anzeichen plötzlich sterben. Daher sollten solche plötzlichen Todesfälle in Zeitungspapier eingewickelt und umgehend an eines der folgenden Institute zur Untersuchung eingesandt werden:

Exomed Institut für
veterinärmedizinische Betreuung
niederer Wirbeltiere und Exoten

Dres. Mutschmann & Dr. Seybold GbR
Erich Kurz Straße 7
10319 Berlin

Staatliches
Veterinäruntersuchungsamt
Westerfeldstr 1 32758 Detmold

Institut für Zoologie, Fischereibiologie
und Fischkrankheiten Dr. M. Baur
/ Dr. P. Kölle
Kaulbachstr. 37
80539 München

Betroffene Arten
Bisher als Herpesträger bekannt geworden sind:
Testudo hermanni, Testudo graeca, Testudo marginata, Testudo horsfieldii, Geochelone pardalis, Geochelone denticulata, Geochelone chilensis, Geochelone carbonaria, Geochelone elongata, Malacochersus tornieri, Chelonoidis chilensis, Testudo kleinmanni, Caretta caretta, Chelonia mydas, Clemmys marmorata, Graptemys barbouri, Graptemys pseudogeographica und Emys obicularis.
Besonders die nordafrikanischen Unterarten von Testudo graeca gelten als eine der Hauptüberträger für die (bei ihnen kaum zu bemerkende) Krankheit. Nach neuesten Erkenntnissen muss sogar davon ausgegangen werden, dass die 6 verschiedenen Herpesviren auf fast alle Arten von Schildkröten übertragen werden können!

Ansteckungsgefahr
Eine betroffene Schildkröte scheidet die Viren in Speichel, Nasensekret, Kot und Sperma aus, die Ansteckung mit Herpes erfolgt über die Maulhöhle.

Behandlung betroffener Tiere
Kranke Tier müssen sofort vom Bestand separiert werden.
Eine Behandlung, die die Schildkröte von dem Virus befreit, gibt es nicht aber das Tier kann im Kampf gegen den Ausbruch der Krankheit unterstützt werden. Dazu gehören natürlich optimale Haltungsbedingungen, evtl. Antibiotika/Antimykotika gegen Sekundärinfektionen, Bekämpfung eines Parasitenbefalls.

Adressen von Tierärzten findest Du hier: Schildkrötentierarzt

Mensch <=> Tier
Der Herpesvirus bei Schildkröten hat mit dem menschlichen Herpes nichts zu tun und ist daher auch nicht von Mensch auf Tier oder umgekehrt übertragbar!

Einzelhaltung - Sollte man Landschildkröten einzeln oder zu zweit halten?

Das Thema Einzelhaltung / Gruppenhaltung gehört zu den am meisten diskutierten Themen unter Schildkrötenhaltern.
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Schildkröten sind von Natur aus keine sozialen Tiere, sondern Einzelgänger, die den größten Teil ihres Lebens alleine verbringen. Sie bewohnen große Gebiete und in ihrem natürlichen Lebensraum ist kein Weibchen dazu verdonnert, immer wieder von einem Männchen bedrängt zu werden, ohne dass sie die Möglichkeit hat zu flüchten. Allerdings laufen sich die Tiere natürlich doch immer wieder mal über den Weg, vor allem zur Paarungszeit.

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Schildkröten sind “Kontakttiere”, d.h. sie vermeiden die körperliche Berührung mit Artgenossen nicht. Keineswegs sind sie aber Herdentiere und in ihrem Lebensraum fast immer alleine anzutreffen.

Um mehrere Tiere artgerecht halten zu können sollten also einige Kriterien erfüllt sein:

  1. Ein angemessenes Platzangebot in Form eines gut mit Sträuchern, Hügeln und Steinen strukturierten, geräumigen Freigeheges sorgt dafür, dass die Tiere sich zumindest ein wenig aus dem Weg gehen können.
  2. Ausreichend Versteck- und Ausweichmöglichkeiten
  3. Bei geschlechtsreifen Tieren ein angemessenes Geschlechterverhältnis (2-3 Weibchen auf 1 Männchen)

Zu kleine Gehege haben gestresste, unterdrückte Tiere zur Folge. Es sollte auch die Möglichkeit gegeben sein die Tiere zu trennen, wenn dies nötig ist. Bei jedem Neuzugang muss eine Quarantänezeit (bzgl. Herpes oder Parasiten) eingehalten werden.

Wer diese Kriterien nicht erfüllen kann, sollte sich keinesfalls mehrere Schildkröten anschaffen oder zum Wohle der Tiere ganz auf eine Haltung verzichten. Denn auch einzeln gehaltene Schildkröten fristen kein optimales, artgerechtes Dasein. Es macht auch den Anschein, dass einzeln gehaltene Männchen verhaltensgestört werden, wenn sie ihren Paarungstrieb nicht ausleben können.

Eine gute Lösung die von einigen erfolgreichen Züchtern praktiziert wird, ist die Schildkröten zeitweise zusammen, sie aber den Rest der Zeit getrennt leben zu lassen. Eine andere Möglichkeit ist, nur wenige Schildkröten (3-4) in einem gut strukturierten Gehege von mindestens(!) 50 Quadratmetern zu halten.

Hier noch ein Zitat aus einem Buch von Wolfgang Wegehaupt (www.testudo-farm.de):
Adulte Griechische Landschildkröten sind keine Rudel oder Herdentiere. Die Schildkröten leben in freier Wildbahn deshalb auch nicht in klassischen Gruppen, sondern innerhalb ihrer sich überschneidenden kleinen Streifgebiete jede einzeln für sich.
Es sind aber keine Einzelgänger im Sinne von einsam leben, sondern sie leben in einem offenen Verband mit allen benachbarten Schildkröten. Aus dem Begriff Einzelgänger wird gerne geschlossen, dass Gr. LS sich nur äußerst selten begegnen und den Kontakt nur während der Paarungszeit suchen. Dies ist in ursprünglichen noch intakten Habitaten aber nicht der Fall. Adulte gr.LS brauchen sich zwar nicht gegenseitig, um sich zu schützen oder gemeinsam auf Beutejagd zu gehen, sie haben aber jedoch ständig lockeren Kontakt und kennen sich gegenseitig.
Die als „Einzelgänger“ bezeichnete Griechische Landschildkröten brauchen diese Begegnungen. Wenn sich zwei Schildkröten treffen, sind sie durchaus neugierig und beriechen sich. Zwei weibliche Tiere zeigen meist kein großes Interesse füreinander und gehen bald wieder getrennte Wege…

Schildkröte entlaufen - wie wiederfinden?

Mir ist es selbst schon einmal passiert, dass ich 3 große Griechische Landschildkröten 3 Tage lang vergessen hatte, nachdem ich sie zum Fressen außerhalb ihres Geheges gesetzt habe. Da adulte Schildkröten, die schon lange Zeit in ihrem Gehege leben aber relativ ortstreu sind, saßen 2 von Ihnen zum Glück fast direkt an der Gehegebegrenzung in der Hecke und die dritte versuchte vom Nachbargrundstück wieder durch den Zaun zurück in Richtung ihres Freigeheges zu gelangen.

Nun aber zur Vorgehensweise wenn man sich sicher ist, dass die Schildkröte nicht mehr in der Nähe ist.
Schildkröten verstecken sich in der Nacht gerne unter Steinen, Wurzeln, sowie größeren, dichten Grasbüscheln, in Hecken oder Sträuchern. Besonders bei kühleren Temperaturen können sie sich dort auch mal so eingraben, dass man sie nicht mehr sieht.

Wenn es wärmer ist, hat es auch schon geholfen, es künstlich regnen zu lassen um sie aus ihrem Versteck zu locken.


Dir ist sicher schon aufgefallen, dass Schildkröten morgens die sonnigsten Plätze in ihrem Gehege aufsuchen um sich aufzuwärmen. Bei den ersten Sonnenstrahlen ist die Chance also groß, sie beim morgendlichen Sonnenbad zu entdecken.

Wenn nicht gerade ein Hund, ein Fuchs, Marder, eine Krähe, Elster oder sogar ein Mensch die Schildkröte aus ihrem Freigehege entführt hat, sollten Sie in Zukunft darauf achten, das Gehege ausbruchsicher zu machen.

Viel Erfolg bei der Suche!

Würmer / Parasiten

16.07.2008

Würmer

Würmer sind bei Landschildkröten weit verbreitet. Die häufigsten Wurmarten bei den Schildkröten sind Madenwürmer (Oxyuriden, Oxyuren) und Spulwürmer (Ascariden).
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Weniger häufig vorkommend:
- Cestoden (Bandwürmer)
- Hakenwürmer

Gegenmaßnahmen:
Der schildkrötenerfahrene Tierarzt wird ein geeignetes Mittel wie z.B. Panacur verabreichen. Aber: Keine prophylaktischen (vorbeugenden) Maßnahmen bei Schildkröten!

Im Internet wie z.B. auf Madenwuermer.de angebotene Medikamente und Behandlungsmethoden dürfen nicht bei Schildkröten oder anderen Tieren angewendet werden! Diese sind nur auf Würmer beim Menschen bezogen.


Parasiten

Auch Parasiten kommen bei Landschildkröten immer wieder vor.
Darmparasiten sind bei allen Arten von Landschildkröten vertreten. Gesunde Schildkröten können diese in geringen Mengen aber ohne Schaden verkraften. Geschwächte Tiere jedoch können daran versterben.

Die häufigsten Parasiten sind:
- Hexamiten (gehören zu den Flagellaten)
- Kokzidien

Symptome für Parasitenbefall (es müssen aber keine Symptome gezeigt werden):
- Apathie
- Augenerkrankung
- Erbrechen
- Gewichtsverlust
- Rotfärbung am Panzer
- Verstopfung
- weicher breiiger Kot, Durchfall

Gegenmaßnahmen:
Der schildkrötenerfahrene Tierarzt wird ein geeignetes Mittel wie z.B. Metronidazol verabreichen. Auch hier: Keine prophylaktischen Maßnahmen bei Schildkröten!

Da Metronidazol das Gleichgewicht im Darm durcheinander bringt, da auch wichtige Darmbewohner abgetötet werden, empfiehlt sich ein unterstützendes Mittel für den Aufbau bzw. zur Stabilisierung der neuen Darmflora. Am besten geeignet: Bird Bene Bac - ursprünglich für den Aufbau der Darmflora von Vögeln gedacht. Die getöteten (wichtigen) Einzeller ersetzt das Mittel allerdings nicht, dabei kann Kot von gesunden Tieren helfen, der gefressen wird.

In Gedenken an Prof. Dr. med. Walter Kirsche

02.07.2008

In Gedenken an

Prof. Dr. med. Walter Kirsche

21.Juni 1920 – 30. Juni. 2008

In welcher Gänze sich Professor Walter Kirsche für den Schutz des Lebens und der Natur einsetzte, erfuhr jeder Besucher des weiträumigen Gartens der Familie Kirsche in Pätz gleich hinter dem Garteneingang. Da gab es eine kleine Brücke, nicht etwa über einen Wasserlauf, sondern über eine „Waldameisenstraße“ führt. Jeder Besucher trat über die Brücke in den Garten, die ansonsten übersehenen kleinen Tiere wurden so auf einfache, aber konsequente Weise vor tödlichen Fußtritten geschützt und: der „Eintretende“ machte sich unweigerlich seine persönlichen Gedanken zur Erhaltung des Lebens.

Walter Kirsches ganzes Leben war geprägt vom Einsatz für das Leben und die Natur. Geboren 1920 in Neu-Oelsnitz im Erzgebirge förderten die Eltern bereits in seiner frühen Kindheit das Interesse und die Hinwendung zur Natur. Mit zehn Jahren pflegte er seine erste Landschildkröte, diese Tiere begleiteten ihn später sein ganzes Leben. Nach der Schulzeit entschloss er sich, Medizin zu studieren. Unterbrochen durch den kriegsbedingten Einsatz im Sanitätsdienst, hier erfuhr er die Leiden des furchtbaren Krieges, beendet er 1945 in Berlin mit dem Staatsexamen seine Studium und erhält seine Bestallung zum Arzt. Sein weiterer beruflicher Weg führt ihn in die Forschung und Lehre. Kirsche wird Dozent am anatomischen Institut der Universität Berlin und widmet sich der Hirn- und Nervenzellforschung. Ab 1951 wird er Professor für Anatomie an der Humboldt Universität Berlin, später Direktor des Anatomischen Institutes.

Für seine Forschungen zur Hirnentwicklung dieser Tiere sind Embryonen von noch nicht geschlüpften Schildkröten zu untersuchen. Hier trifft er ein zweites Mal nach seiner Kindheit mit den Schildkröten zusammen. Da diese Tiere und deren Gelege nicht aus der Natur entnommen werden können, richten das Ehepaar Kirsche in ihrem Wohngrundstück in Pätz eine Zuchtanlage für Landschildkröten ein. Die Schildkröten wird Kirsche über seine Forschungsaufgaben hinaus über Jahrzehnte betreuen. Er gehörte zu den ersten, der für diese stark gefährdeten Tiere eine Erhaltungszucht entwickelte und so einen Weg aufzeigte, der heute dazu führt, dass keine europäischen Landschildkröten für die Tierhaltung mehr aus der Natur entnommen werden müssen. Über 1000 nachgezogene Jungtiere gibt er an Tierfreunde weiter. Sein Wissen und seine Erfahrungen über diese Tiere veröffentlicht er 1997 in dem Buch „Die Landschildkröten Europas“.

Prof. Kirsche setzte sich Zeit seines Lebens mit den grundlegenden ethischen Fragesellungen des Lebens und der Lebenserhaltung auseinander und vermittelt dies seine Studenten in überzeugender Weise. Er verwies stetig darauf, welche Bedeutung den Tieren zukommt, die für unsere Kenntnisse in der medizinischen Forschung und für unsere Gesundheit ihr Leben opfern. Die Lehren und philosophischen Grundsätze des Mediziners und Theologen Albert Schweitzer bestimmen sein Wirken in der Forschung und in der medizinischen Lehre ebenso wie in seinem Privatleben. Schweitzers „Ehrfurcht vor dem Leben“ bindet er in seine Vorlesungen zur Anatomie und Hirnforschung mit ein. Er unterstützt Medizinstudenten in ihrer Entscheidung, den Wehrdienst mit der Waffe zu verneinen, in der DDR ein wahrhaft mutiges Bekenntnis.

Prof. Kirsche war eine weit über die Fachgrenzen der Medizin anerkannte Persönlichkeit. 1973 wird der mit dem Nationalpreis der DDR für seine pädagogischen und wissenschaftlichen Leistungen ausgezeichnete. Er war Mitglied und Ehrenmitglied mehrere nationaler und internationaler Gesellschaften und Vereinigungen. Seine Verdienste für den Schutz der Reptilien würdigte die Deutsche Gesellschaft für Herpetologie und Terrarienkunde mit der Ehrenmitgliedschaft.

Dem Schutz der Natur und ihren Lebensformen widmet er sich weit über den beruflichen Aufgabenbereich und der Schildkrötenhaltung hinaus. Kirsche wirkt als Ortsnaturschutzbeauftragter in seinem Heimatort Pätz. Aktiv unterstützt er die Fachgruppe Amphibien- und Reptilienschutz, später wird er Mitglied im NABU Dahmeland.

Er setzt sich für die Ausweisung von Naturschutzgebieten wie der „Kiesgrube Pätz“ ein. Der große, parkartige Garten der Kirsches ist heute ein ausgewiesenes Naturdenkmal. Hier verfolgte Kirsche die Veränderung unserer Natur und Landschaft, so dokumentierte er das Verschwinden zahlreicher Schmetterlinge wie der „Goldenen Acht“. Zahlreiche Bilder der wunderschönen Schmetterlinge dokumentieren Kirsches Neigung zur Naturfotografie.

In allgemeinverständlichen Beiträgen in Zeitschriften wie auch in der regionalen Presse appelliert er für den Umweltschutz und die Achtung der Natur. Er brachte uns ins Bewusstsein, dass auch Fische Schmerz empfinden, wenn sie am Angelhacken hängen.

Seine Absicht, im Jahre 1974 ein populärwissenschaftliches, fachübergreifendes Buch mit dem Thema „Mensch und Umwelt“ zu veröffentlichen, wird leider auf Grund der realen aber zu kritischen Faktensammlung abgelehnt. Die damaligen Entscheidungsträger bringen jedoch nicht den Mut auf, zu ihrer Entscheidung zu stehen. Das fertige Manuskript wird wegen Papiermangel nicht gedruckt.

Ein Teil seiner, dem regionalen Naturschutz übertragene naturkundliche Sammlung mit zahlreichen Schildkrötenpräparaten, Insekten und Fossilen konnten vor einem Jahr in einer Ausstellung im Besucherzentrum des Naturparks Dahme-Heideseen gezeigt werden. Die Ausstellungseröffnung am 21. Juni 2007, seinem 87. Geburtstag, konnte Walter Kirsche noch persönlich miterleben. Ein Jahr später, am 30. Juni 2008, wenige Tage nach seinem 88. Geburtstag, ist Walter Kirsche in seinem Wohnhaus in Pätz verstorben.

Text:
Hans Sonnenberg
Naturpark Dahme-Heideseen
Prieros, 2. Juli 2008

Quelle: DGHT