Schildkröten brauchen Hilfe
16.04.
Der Erfolg auf Inseln vor der Küste Ost-Borneos und buchstäblich ein Hilfeschrei aus dem Zentralatlantik hat die Turtle Foundation (Schildkröten-Vereinigung) Schweiz aufgeschreckt. Sie will nun auf den Kapverden konkret die Meeresschildkröten schützen.
Buchs/Vaduz. – Der Vorsitzende des Stiftungsrates der Turtle Foundation Schweiz, Frank Zindel aus Vaduz, und seine Stiftungsratskollegin Margrit Roduner Gabathuler aus Buchs haben von katastrophalen Zuständen auf den Kapverdischen Inseln gehört. Es würden massenhaft brutalste Schlachtungen weiblicher Tiere vorgenommen. Sie haben sich spontan vor Ort ein Bild verschafft. Die angetroffene Situation habe die schlimmsten Befürchtungen übertroffen, sagten sie gegenüber dem W&O. «Obwohl Meeresschildkröten nach kapverdischem Recht unter Naturschutz stehen, sind sie vielfältigen Bedrohungen ausgesetzt», sagte Frank Zindel. Zu den bedrohenden Szenarien gehören laut Zindel vor allem die Jagd im Meer und an Land sowie die Zerstörung von Niststränden durch unkontrollierte Bautätigkeit im Zuge einer rasanten Tourismusentwicklung. Die Schildkröten werden bei der Eiablage an Land zwecks Vermarktung des Fleisches getötet. Grund genug, zu handeln, sagte sich die Turtle Foundation.
Schutzprogramm geschaffen
Ermutigt von bisherigen Erfolgen in Indonesien und auch von tierliebenden und tierschützerischen Motiven geleitet, hat die Turtle Foundation Schweiz zusammen mit Hiltrud Cordes, Ethnologin und Stiftungsrätin der Turtle Foundation Deutschland, ein Schutzprogramm für Meeresschildkröten auf den Kapverdischen Inseln geschaffen. Besondere Aufmerksamkeit wird der Nistpopulation der Unechten Karettschildkröte (Caretta caretta) geschenkt. Die Turtle Foundation geht davon aus, dass die Boavista mit rund 50 Strandkilometern wahrscheinlich die grösste verbliebene Nistregion von Caretta caretta auf den Kapverden ist. Die Stiftung möchte im Osten von Boavista bei einem Naturhafen ein Strandschutz-Camp für rund 20 Personen errichten und für die Dauer der Nistsaison in Betrieb halten. Von dort aus könnte ein Küstenabschnitt von rund 10 Kilometern überwacht werden.
Projekt ist startbereit
Das Camp soll bezüglich der Strom-, Wasser- und Nahrungsversorgung selbständig und eigenverantwortlich sein. Für die Leitung sind drei Vollzeitmitarbeiter der Turtle Foundation vorgesehen. Die Aufgaben liegen in der Leitung des Camps, des Schutzprogrammes und der Projektkoordination sowie der Logistik. Es geht konkret um den Schutz vor Wilderei, die Datenerhebung zur Erfassung der Anzahl von Nestern und nistenden Weibchen oder allfälliger Umbettung von bedrohten Nestern. Zur Aufgabe gehören zudem flankierende Massnahmen wie die Kooperation mit der einheimischen Bevölkerung, Hilfestellung bei der Etablierung von Ökotourismusangeboten sowie Öffentlichkeitsarbeit, wie Frank Zindel weiter sagte. «Das Projekt ist startbereit, die Kosten sind ermittelt, Kooperationsvereinbarungen sind getroffen und geeignete Mitarbeiter sind rekrutiert.»
Die Gesamtkosten des Projektes betragen für das laufende Jahr rund 150 000 Euro. Nebst Geldspenden aus der Öffentlichkeit über das Internet (www.turtle-foundation.org) sucht die Stiftung auch Sachspenden in Form von Gebrauchsmaterial für den Camp-Betrieb. Zum Beispiel Wasseraufbereitungsanlagen, Generatoren für die Stromversorgung, Zelte samt Einrichtung, Kücheneinrichtungen, Funkgeräte, GPS oder Satelliten-Telefone, Baumaterial und Werkzeug, geeignete Fahrzeuge und auch Büroeinrichtungen.
Der Erfolg gibt der Stiftung recht: Sollte das Projekt gelingen, so werden wie in Indonesien Nacht für Nacht unzählige Schildkrötenbabys schlüpfen. Es wird ein Rückzugsgebiet für Meeresschildkröten geben. Wichtig und entscheidend wird zudem sein, dass sich die Bevölkerung der Notwendigkeit des Tierschutzes und der Massnahmen bewusst wird.



